• 24. September 2019
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Kunstglasausstellung im Breslauer Alten Rathaus

Kunstglas-Ausstellung im Bürgerlichen Kunstmuseum
Zum Gedenken an Prof. Zbigniew Horbowy

Anlässlich der Verleihung des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen, der 2019 posthum an Prof. Zbigniew Horbowy ging, wurde im Bürgerlichen Kunstmuseum (Abteilung des Stadtmuseums) im Breslauer Alten Rathaus die Ausstellung „Heute gibt es keine echten Gläser mehr“ eröffnet.

Der am 17. Juni in Bad-Altheide (Polanica Zdrój) verstorbene Künstler gehört zu den bedeutendsten europäischen Glasdesignern und gründete seine eigene Designschule.
Zbigniew Horbowy ist 1935 in Lantschyn am Pruth (heute Westukraine) geboren. 1945 siedelte seine Familie nach Karge (Kargowa) über. Horbowy begann 1953 an der damaligen Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Breslau (heute Eugeniusz-Geppert-Akademie der Bildenden Künste) zu studieren. Dort hat er beschlossen, sein ganzes Berufsleben dem Glasdesign zu widmen. In seiner 1959 verteidigten Diplomarbeit entwarf er zum ersten Mal in der polnischen Glasgeschichte ein vollständiges Set für Tischgläser. Im selben Jahr begann der Künstler in der Hütte für Wirtschaftsglas „Sudety“ (Sudeten) in Rückers (Szczytna) bei Glatz (Kłodzko) zu arbeiten.

Im Jahr 1974 wurde auf seine Initiative hin die Glashütte „Barbara“ in Bad-Altheide in Betrieb genommen, wo er die künstlerische Leitung übernahm. Seit 1978 arbeitete Horbowy als Designer in der Glashütte ZGG INCO in Breslau. Der Künstler arbeitete 30 Jahre lang mit den schlesischen Hütten zusammen. In dieser Zeit revolutionierte er das Verständnis für Glas, indem er es ermöglichte, interessante und schöne Glasformen entstehen zu lassen, die jedoch als Gebrauchsgefäße in Massenproduktion hergestellt wurden.

Von Anfang an experimentierte Horbowy häufig mit der Glasmaterie und Farbe und suchte nach dem Gleichgewicht zwischen der künstlerischen Ausdrucksform und Funktionalität. Die von dem Glaskünstler entworfenen Gefäße charakterisiert eine sparsame Form, die fast ohne Verzierung auskommt, durch subtile rauchige und Amethyst-Farben. Seine berühmten Tischgeschirr-Sets, (Wein-)Gläser und Krüge schmücken bis heute viele Häuser und Sammlungen in Polen. Zbigniew Horbowy entwarf auch großformatige architektonische Dekorationen (Spielfilmstudio in Breslau, Breslauer Philharmonie), darunter Glasfenster für weltliche und sakrale Bauwerke.

Seit 1963 war er Dozent an der Fakultät für Keramik und Glas der Breslauer Kunstakademie, später dreimal zum Dekan seiner Fakultät gewählt. 1989 erhielt Horbowy als erster Glasdesigner in Polen einen Professorentitel. Im Zeitraum 1999-2005 hatte er die Funktion des Rektors der Breslauer Kunstakademie inne. Als Designer hatte der Künstler einige Dutzend individuelle Ausstellungen.

Unter den vielen namhaften schlesischen Schöpfern ist Horbowy einer der bedeutendsten Künstler der letzten Jahrhunderthälfte. Auf der Exposition werden über 200 Gläser präsentiert, die in den Jahren 1960-1990 nach seinen Entwürfen hergestellt wurden. Eine besondere Stellung nehmen dabei Weingläser ein, denen der Künstler viel Aufmerksamkeit schenkte und die er zu seinem „Markenzeichen“ machte.
Die Glasexponate stammen aus der Sammlung des Stadtmuseums Breslau, der Eugeniusz-Geppert-Kunstakademie Breslau sowie aus den Privatsammlungen. Die Exposition kann man bis zum 29. Dezember besichtigen.

Das Museum im historischen Alten Rathaus ist von Mittwoch bis Samstag zwischen 10.00 und 17.00 Uhr sowie sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Eintritt ca. 3 bis 4 Euro (normal) und ca. 2 bis 3 Euro (ermäßigt).

Magdalena Ilgmann