Der Laubaner Galgen

Eine Anhöhe bei Lauban an der Straße nach Görlitz. Galgenberg hieß diese Stelle auf den alten Karten. Auf der einen Straßenseite steht ein riesiges Betonkreuz, auf der anderen wird eine neue Kirche gebaut. Dazwischen befindet sich ein Galgen aus dem Jahr 1492.

Bereits vor dem Krieg haben die Deutschen nach dem Galgen gesucht, ihn aber nicht gefunden. Das Glück hatten erst Irena und Stanislaw Sniezyk, die dieses Grundstück gekauft haben, um dort ein Haus zu bauen. Im Herbst 2003 haben sie einen Bagger bestellt, der das Gelände begradigen sollte. So wurden die ersten großen Steine entdeckt. Zum Glück war zufällig Janusz Kulczycki in der Nähe, ein Laubaner Finanzkontrolleur, Wirtschaftler, Hobbyhistoriker und Vorsitzender des Freundeskreises Oberlausitz, den das Thema Galgenberg schon lange beschäftigt hatte. Mit Hilfe seines Bruders hat Kulczycki ein breites Steinfundament des Galgens ausgegraben.

Der Galgen war rund und drei Meter hoch, in die Mitte führte eine Tür. Drinnen befanden sich Pfeiler, dazwischen lagen Balken, an die der Henker seine Stricke anbrachte. In der Mitte war ein Loch, in welches der Henker die Leichen warf. Oft hingen sie jedoch so lange, bis sie von selbst heruntergefallen sind. Das sei der erste Galgen im heutigen Polen, wo nach dem Krieg Menschenreste entdeckt worden seien, so einer der Breslauer Archäologen, die die Arbeiten auf dem Grundstück von Sniezyk duchführten, der Doktorand Marcin Paternoga.
Der Laubaner Henker führte hier die Todesurteile des Stadtrates aus: er hängte die Verurteilten auf, köpfte und räderte sie, manchmal wurden die Schuldigen auch lebendig begraben, ertränkt oder verbrannt.

In dem Galgenloch und neben der Mauer haben die Archäologen über 8.500 Knochen entdeckt, darunter 900 in einem guten Zustand. Im Laubaner Stadtarchiv finden sich zahlreiche Textfragmente, die die Geschichte dieser Knochen erzählen: von einem Muttermörder Hans Meye, der 1573 getötet, einem Sodomiten, der 1603 auf einem Scheiterhaufen neben dem Galgen verbrannt wurde, einem gewissen Gruner, der 1646 nach einem doppelten Henkerhieb noch sechs Schritte schreiend machen konnte und viele ähnliche. Die letzte Exekution fand 1766 statt, als auf dem Galgenberg drei Diebe gehängt wurden. Erst 1824 beschloss die Stadt, den Galgen abzubauen. Das Fundament verschwand unter der Erde.

Heute ist der Laubaner Galgen eine Attraktion schlechthin. Deutsche Touristen, zumeist ihre Heimat besuchende deutsche Laubaner, halten hier gerne an, machen Photos, manchmal vergleichen sie die Wirklichkeit mit irgendwelchen mitgebrachten alten Karten. Das Ehepaar Sniezyk hält mittlerweile diese schaurige Historie für einen Teil seiner eigenen Geschichte und freut sich gar auf das Interesse der Besucher.

Magdalena Ilgmann

Dieser Beitrag wurde entnommen aus dem Laubaner Gemeindebrief Nr. 499 (2005).

Informationen zum Laubaner Gemeindebrief

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